
Diese fiktive Geschichte habe ich 2015 geschrieben.
Anlass war ein tödliches, illegales Autorennen in Köln.
Weißt du, woran ich gerade denken muss?
Daran, wie wir uns zum ersten Mal begegnet sind.
Damals im Krankenhaus.
Ich war Assistenzarzt, du hast eine Freundin besucht.
Mein Gott, Maria,
du hast mir sofort den Kopf verdreht.
Mit deinen blauen Augen und deiner sanften Stimme.
Über dreißig Jahre ist das jetzt her.
Maria, kannst du dich erinnern?
Wir im Zoo.
Mit Christian und Stefanie, unseren Kindern.
Steffi, die immer auf deinen Arm wollte, weil sie vor jedem Tier Angst hatte, das ein Geräusch von sich gab.
Und Chris, der nichts anderes sehen wollte als die Giraffen, von denen er so fasziniert war.
Unser letztes Wochenende, Maria.
Ein paar Tage später wurdest du überfahren.
Es war ein illegales Autorennen.
Du bist allein losgegangen, um mein Geburtstagsgeschenk zu kaufen.
Ich habe die Uhr sehr lange getragen.
Ach Maria,
ich musste stark sein.
Für unsere Kinder.
Es lief nicht immer alles glatt.
Jim Beam wurde ganz langsam zu meinem besten Freund.
Ich vermisse dich, Maria.
Ich habe versucht,
ein guter Vater zu sein.
Es tut mir leid, Maria.
Steffi hat sich an deinem zehnten Todestag
die Pulsadern aufgeschnitten.
Sie hat dich immer so sehr vermisst.
Und Jimmy.
Jimmy wurde zu meinem ständigen Begleiter.
Ich habe gedacht, mit ihm tut alles etwas weniger weh.
Unser großes Haus mit der Praxis wurde versteigert, Maria.
Ich konnte nicht mehr gewissenhaft arbeiten.
Später bin ich Taxi gefahren.
Das hat mir auch Spaß gemacht.
Und es musste ja irgendwie weitergehen.
Chris wurde Tierpfleger.
Es war sein Traumberuf.
Das Letzte, was ich von ihm gehört habe, ist, dass er vor sechs Jahren an einer Überdosis gestorben ist.
Verdammt, Maria, er hätte mich so gebraucht.
Sorry.
Ich hab’s verbockt.
Jetzt liege ich hier auf der Straße, Maria.
Die Straße, die seit Jahren mein Zuhause ist.
Den Führerschein haben sie mir weggenommen, du weißt ja, wegen Jimmy.
Ich liege hier auf der Straße.
Überall ist Blut.
So wie damals bei dir, Maria.
Man hat mich zusammengetreten.
Es tut alles so weh.
Meine Uhr …
meine Uhr ist auch weg.
Maria,
sie haben mir die Uhr genommen.
Es ist plötzlich so ruhig.
Und es wird so hell.
Maria …
Maria, ich liebe dich.
Teilen mit:
Folge mir auf:
Neueste Beiträge:
Hinterlasse einen Kommentar