Mein Vatertag in Tarnfarben

Ich wache auf mit der Hoffnung auf Kaffee, einem Brötchen und der tröstlichen Gewissheit, dass heute niemand etwas von mir will. Mein Rücken sagt: „Wir machen heute gar nichts. Bleib einfach liegen.“
Silke ist ungewöhnlich gut gelaunt. Das macht mich nervös.
Sie trägt Lipgloss und ein T-Shirt, auf dem in Tarnfarben „Mutter der Kompanie“ steht. Ich frage nicht. Ich habe gelernt, dass es klüger ist, Dinge einfach hinzunehmen – wie z. B. das Älterwerden oder die Wechseljahre.
Dann klingelt es.
Maren und Lars stehen vor der Tür, beide breit grinsend. Lars trägt ein Basecap rückwärts und hält einen Umschlag in der Hand wie ein Hund sein Lieblingsspielzeug. Ich ahne Schlimmes.
„Papa, wir haben uns was überlegt“, sagt Maren.
Wenn dieser Satz kommt, folgt meistens eine Aktivität, bei der ich etwas verliere: meine Würde, mein Gleichgewicht oder meine Brille.
Ich öffne den Umschlag.
Paintball-Gutschein.
Familienausflug. Vier Personen.
„Du wirst es lieben“, sagt Silke.
Das ist nicht hilfreich.
Das hat sie auch gesagt, als wir mal gemeinsam Pilates ausprobiert haben. Seitdem klingt mein Rücken beim Aufstehen wie jemand, der in Zeitlupe Chips zertritt.
Ich lächle gequält.
Es ist Vatertag.
Und mein Geschenk ist, in Tarnkleidung beschossen zu werden.
Die Ankunft auf dem Paintball-Gelände
Wir fahren eine Schotterstraße entlang, die so kaputt ist, dass selbst das Navi sich räuspert und sagt: „Mutig.“
Lars fährt. Zu schnell.
Silke hält sich am Griff über der Tür fest und macht dieses Geräusch, das Frauen machen, wenn sie sich gerade innerlich von ihrer Hüfte verabschieden.
Und sie atmet in kurzen Stößen – wie beim Sex, wenn man die Bewegung kennt, aber der Abend trotzdem seine ganz eigene Choreografie entwickelt.
Hinten sortiert Maren irgendwas an ihrer Wasserflasche und sagt Dinge wie „Teamgeist“ und „Ausrüstung“, während ich darüber nachdenke, ob ich die Bundeswehr-Zeit damals vielleicht doch zu positiv in Erinnerung habe.
„Da vorn!“, ruft sie begeistert.
Vor uns öffnet sich ein Gelände, das aussieht wie ein verlassener Freizeitpark für Prepper. Container, Holzverschläge, ein zerbeultes Auto mit Farbspritzern. Ich bin mir nicht sicher, ob wir hier spielen oder einen osteuropäischen Mafiafilm drehen.
Ich ahne: Das hier wird kein gemütlicher Vatertag.
Das hier wird ein Erlebnis.
Wahrscheinlich eins mit vielen Prellungen.
Ein Mann in Tarnhose und Muskelshirt begrüßt uns. Er stellt sich als „Eddy“ vor, sieht aber aus wie jemand, der auch auf „Rico“, „Rambo“ oder einfach „Gegenwehr zwecklos“ hört. Seine Sonnenbrille liegt derart tief auf der Nase, dass ich nicht weiß, ob ich gleich ein Briefing bekomme oder eine Abmahnung.
Er gibt uns Formulare. Haftungsausschluss.
Ich unterschreibe. Silke liest alles durch.
Maren macht ein Selfie mit dem Schild: Welcome to the Battle Zone.
Eddy überreicht uns Overalls in Größe „Passt ungefähr“.
Meiner riecht nach Teenager, Angstschweiß und Manöver 1993. Ich sage nichts. Ich will nicht unhöflich sein. Aber mein Körper will das Abenteuer abbrechen – komplett.
Wir ziehen uns in einem Container um. Ich versuche, gleichzeitig meine Hose zu wechseln und mein Schamgefühl zu behalten – es gelingt beides nicht. Die Maske nervt mich. Sie drückt auf die Brille. Ich sehe aus wie ein Typ, der gerade gemerkt hat, dass „Fun-Aktivität“ das neue Wort für „Demütigung auf Raten“ ist. Lars lacht. Silke sagt: „Du siehst mutig aus.“ Ich weiß, was das heißt. Es heißt: „Mach dich auf Schmerzen gefasst, Chaos-Queen.“
Wir werden zu den „Waffen“ geführt. Es sind lackierte Gewehre, die man mit Farbkugeln füttert. Ich frage, wie lange so ein Spiel dauert. Eddy sagt: „Bis einer ruft: Ich kann nicht mehr.“
Ich nicke.
Ich verstehe:
Das hier wird kein Spiel. Das hier wird eine Prüfung.
Eddy erklärt die Regeln. „Nicht auf den Kopf zielen, keine Waffen in der Pause, wer Stopp ruft, ist raus.“
Lars fragt: „Und was ist mit Rauchgranaten?“
Eddy sagt: „Wir haben Nebelmaschinen. Für Kindergeburtstage.“
Wir stehen auf einem Feld, das aussieht wie ein Lost Place. Holzverschläge. Ein ausrangierter Autoreifen auf einem Baumstumpf. Ein Einkaufswagen. Ein altes Dixie-Klo, das niemand je betreten hat – aus Respekt. Oder aus Angst, dass es jemand umkippt, während man drinsitzt.
Eddy, unser Spielleiter, steht mit verschränkten Armen da und einem Grinsen, das in keiner Betriebshaftpflicht abgedeckt ist.
„Okay Leute“, sagt er, „jetzt Teamaufstellung. Zwei gegen zwei. Macht das unter euch aus. Ich hol derweil die Kugeln.“
Und zack ist er weg.
Einfach so.
Wie ein Animateur, der spürt: Hier kippt gleich was ins Persönliche.
Lars dreht sich sofort zu Maren.
„Komm, wir zwei machen das zusammen.“
Maren nickt, völlig selbstverständlich. Ohne Diskussion.
Sie lacht. „Klar. Team Turbo.“
Ich will gerade protestieren – nicht, weil ich verletzt bin, sondern weil ich noch nicht mal wusste, dass es hier Teamnamen gibt.
Ich: „Äh, Moment mal.“
Silke: „Musst du wieder alles zerreden?“
Ich: „Ich dachte nur, vielleicht will einer von euch mit mir …“
Maren: „Papa. Ganz ehrlich. Du bist super. Aber ich will gewinnen.“
Silke grinst.
Sie grinst nicht oft, aber wenn, dann so, dass du dir plötzlich deiner Haltung bewusst wirst. Und deines Alters. Und deiner Monatsbeiträge bei der Krankenkasse.
„Ok, dann mach ich mit der Chaos-Queen“, sagt sie.
Nicht mitleidig. Nicht euphorisch.
Ich sage: „Weil du mich liebst?“
Sie sagt: „Weil du dich eh nicht schnell genug bewegst, um mir aus Versehen eine reinzuzimmern. Du bist im Prinzip ungefährlich.“
Das ist Liebe. Nur anders formuliert.
Und so stehen die Teams fest.
Lars & Maren: frisch, gelenkig, feindselig. Gemeinsam 45 Jahre alt.
Silke & Ich: erfahren, vorsichtig, kurzatmig. Zusammen 102 Jahre alt. Zwei Menschen, deren „Aufwärmen“ das Öffnen der Schmerzmittelschublade ist.
„Klingt fair“, sagt Lars.
Ich nicke.
Innerlich schreit ein Teil von mir: „Du VERRÄTER!“
Eddy kommt mit zwei Eimern Farbkugeln zurück.
„So“ sagt er. „Dann bekommt jeder seinen Markierer – das ist das Ding mit der Wumme vorne dran – und dann geht ihr auf Position.“
Ich ziehe meine Schutzmaske über. Meine Brille beschlägt sofort.
Silke sagt: „Wir haben keine Ahnung, was wir tun, oder?“
Ich sage: „Ich habe immerhin bei der Bundeswehr gelernt, wie man sich richtig an einen Busch anschleicht.“
Silke sagt: „Du bist mal in eine Gulaschkanone gefallen.“
Ich entgegne: „Das war auch Tarnung.“
Maren ruft: „Also, wir sind Team Turbo!“
Ich rufe: „Wir sind Team … Rückenlehne!“
Silke sagt: „Sag einfach gar nichts mehr.“
Eddy ruft: „AUF POSITION!“
Dann gehen wir zum Startpunkt.
Lars und Maren albern noch rum.
Silke dehnt sich.
Ich versuche zu blinzeln, ohne dass mir die Maske von der Stirn rutscht.
Und ich denke:
Das ist kein Spiel.
Das ist Familie.
Mit CO₂ und Altlasten.
Ich liege hinter einem Holzverschlag, der aussieht wie das Ergebnis eines Heimwerkerprojekts, bei dem jemand die Anleitung verloren hat.
Vor mir: ein matschiger Trampelpfad, durchzogen von gelben Farbflecken, Einschusslöchern und der Ahnung, dass hier eben noch jemand getroffen wurde, der eigentlich nur pinkeln wollte.
Hinter mir: Silke, fluchend, atmend, zitternd – und zwar nicht aus Angst, sondern, wie sie sagt, weil sie ihr Knie gerade spürt, als hätte es sich über die letzten 46 Jahre alles gemerkt und beschlossen, jetzt mal eine kleine Liste durchzugehen.
Ich selbst bin …
ja, was eigentlich?
Ich bin keine Bedrohung.
Ich bin eher so eine Art bemitleidenswerter Zivilist mit Waffe, der nicht weiß, wo vorne und hinten ist, aber höflich in Richtung Feind blinzelt, in der Hoffnung, nicht zuerst dran zu sein.
Vor uns taucht Lars auf – schnell, präzise, so als hätte er das hier schon mal gemacht oder wüsste wenigstens, welche Taste bei Call of Duty für „Bauchlage“ ist.
Er ruft was in unsere Richtung, was ich wegen meiner Maske nur halb höre, aber es klingt wie: „Deckung auf sieben Uhr, Angriffslinie halten, Maren links vor!“
Und ich frage mich, wann genau meine Kinder angefangen haben, in Bundeswehr zu sprechen und warum ich das nicht mitbekommen habe, obwohl ich täglich mit ihnen kommuniziere – also, per WhatsApp, mit Emojis.
Ich versuche zu reagieren.
Ich richte mich ein Stück auf, was bei mir nicht aussieht wie eine militärische Bewegung, sondern eher wie ein Mittfünfziger, der beim Rewe auf dem untersten Regal nach Kondomen sucht und dabei die innere Verbindung zu seinen Kniescheiben verliert.
Dann feuere ich. Dreimal.
Der erste Schuss geht in einen Busch, der zweite trifft ein Stück Blech, das so laut zurückhallt, dass sogar Silke kurz zuckt, und der dritte Schuss … geht einfach gar nicht erst los.
Über mir pfeifen Farbkugeln. Eine platzt links neben mir. Eine rechts. Ich bin im Zentrum einer Farborgie, aber ohne Konsens.
Aus dem Augenwinkel, sehe ich wie Maren auftaucht. Und zwar nicht wie jemand, der sich unsicher vortastet, sondern wie eine Amazone im Adrenalinrausch, die nicht nur zielt, sondern vorher kurz prüft, ob der Wind stimmt und die moralische Lage der Welt gerade ein bisschen stabil ist.
Sie erkennt mich. Sie erkennt mich sofort.
Trotz Maske. Trotz Matsch. Sie erkennt ihre Beute.
Ich ducke mich.
Also – ich kippe langsam nach vorne, die Gelenke melden „Bitte Zuständigkeiten klären“.
Dann feuert sie.
Die Kugel trifft mich. Mitten ins Vergnügungszentrum.
Ich quietsche.
Nicht dramatisch – aber eindeutig hörbar.
So wie man quietscht, wenn man nachts barfuß auf einen Lego-Stein tritt, und dabei versucht, aus Rücksicht auf die Kinder nicht laut zu schreien.
Silke ruft: „Was war das?!“
Ich: „Ich glaube, ich bin getroffen.“
Silke: „Glauben kannst du in der Kirche, komm her!“
Ich: „Ich kann nicht.“
Silke: „Du bist nicht im Krieg!“
Sie robbt zu mir rüber, wobei „robben“ bei ihr eine elegante Mischung aus Yoga, Trotz und innerer Kündigung ist.
Sie zieht mich hinter eine morsche Holzwand, die weder deckt noch schützt, aber immerhin signalisiert: Hier haben zwei Erwachsene ihre körperlichen Grenzen erreicht und möchten jetzt bitte wieder zurück ins Bällebad.
Dann trifft es Silke. Mitten auf den Bauch.
Lars – diesmal von links – zielt, lacht, feuert.
Dreimal. Zielsicher.
Silke flucht. Und zwar nicht leise.
Sie sagt: „Ich habe keine Ahnung, ob ich gerade ein Hämatom bekommen habe oder einen zweiten Bauchnabel.“
Ich sage: „Mir haben sie die Klöten ins Nirvana geschossen.“
Sie: „Dir haben sie deine Ehre rausgeschossen, mehr nicht.“
Ich: „Und ein bisschen meinen Stolz.“
Sie: „Der ist mit deiner Sichtweite verschwunden.“
Dann: Stille. Kurzes Atemholen. Zittern. Nachschwitzen.
Und von irgendwo hinten Eddys Stimme: „LETZTE MINUTE! SPIEL GLEICH VORBEI!“
Ich liege da. Mit feuchtem Rücken, einem leichten Pfeifton im Ohr und dem vagen Gefühl, dass heute niemand mehr mit mir kuscheln will.
Dann pfeift es. Schrill. Ein Signal.
Eddy steht auf einem Reifenstapel und ruft: „Neue Runde! Zwei gegen zwei! Teambildung wie eben: Papa & Silke gegen die Jugend von heute. Ab jetzt zählt jede Farbe doppelt! LET’S GO!“
Ich schaue zu Silke. Sie zuckt mit den Schultern. „Letzte Runde“, sagt sie. „Danach gibt’s gedeckten Apfelkuchen.“
Ich richte mich auf. Langsam. In drei Phasen.
Erst der Kopf, dann der Rumpf, dann das, was von meinem Stolz noch übrig ist.
Ich stehe. Irgendwie. Mit Haltung.
Nicht aufrecht – aber entschlossen, wie ein Wackelpudding, der beschlossen hat, heute mal nicht zu wackeln. Ich wanke zur Startlinie.
Hinter mir: Silke.
Vor mir: Lars und Maren.
Beide grinsend. Beide in Haltung. Beide vollkommen bereit, mich erneut in Einzelteile zu schießen.
Aber dann passiert es. Es ist kein Donnerschlag. Kein epischer Moment. Es ist eher ein ganz leiser Klick im Kopf.
Etwas, das lange geschlafen hat. Etwas, das seit Jahrzehnten keinen Helm mehr getragen hat und nie gedacht hätte, dass Paintball in der Eifel der Moment sein würde, wo es sich zurückmeldet.
Eine Erinnerung. Ein alter Befehlston. Ein verstaubtes Gefühl von Macht über Chaos.
Der Stabsunteroffizier Schneider meldet sich zurück. Ich sage noch nichts. Aber ich stehe plötzlich gerade.
Und meine Haltung sagt:
„Ich bin nicht der Vater, den ihr kennt. Ich bin der Vater, vor dem ihr euch ab jetzt fürchtet.“
Ich nicke. Nicht zu Silke. Zu mir selbst.
Dann sage ich – leise, aber mit Bedeutung: „Ab jetzt wird nicht mehr daneben geschossen.“
Ich stehe da. Waffe in der Hand. Ein bisschen wie Bruce Willis.
Aber das hier ist mein Moment. Ich bin bereit.
Silke tritt neben mich.
Sie stützt sich an meiner Schulter ab. „Plan?“, fragt sie.
Ich nicke.
„Ja. Angriff über rechts. Split-Manöver. Ich nehme Maren. Du Lars.“
Sie hebt die Augenbraue.
„Was zur Hölle ist ein Split-Manöver?“
Ich antworte: „Weiß ich nicht. Klingt aber militärisch.“
„Okay. Ich folge dir blind.“
„Nicht nötig. Ich mach eh, was ich will.“
Dann geht’s los.
Eddy pfeift, und aus mir wird ein Mann, den ich selber nicht kenne.
Ein Mann, der mit überraschender Eleganz in die Hocke geht, dabei weder schreit noch knackt – sondern einfach gleitet.
Ich bin drin. Im Flow. Im Modus. Im inneren Befehlsrahmen.
Links Maren. Sie kauert hinter einem Autowrack, lädt nach, denkt, ich liege noch in der Ecke und japse.
Aber ich bin längst vorbei.
Ich bin der Schatten, den sie nicht kommen sah. Ich bin … der Überraschungspapa.
Ich rolle hinter einen Reifenstapel, reiße kurz die Maske hoch, wische mir den Schweiß ab und fluche auf Latein. Nicht, weil ich’s kann, sondern weil’s keiner versteht und es irgendwie Respekt erzeugt.
Dann feuere ich. Ein Mal.
Direkt auf Marens Arm. Ein sauberer Treffer, wie aus dem Lehrbuch „Defensive Pädagogik mit Farbmarkierung“.
Sie schreit: „PAPA?!“
Ich schreie zurück: „STABSUNTEROFFIZIER SCHNEIDER, ZUGFÜHRER 3. KOMPANIE, JA VERDAMMT!“
Ich höre Lars lachen. Ein Fehler.
Lachen im offenen Feld ist wie Föhnen in der Badewanne. Du hast verloren.
Ich rufe laut: „Deckung links! Splitbewegung Alpha! Zielansprache Bravo-Fünf! Jetzt!“
Ich stürme los. Mehr oder weniger.
Lars schießt. Ich weiche aus.
Wie eine Mischung aus Katzensprung und akuter Meniskuspanik.
Dann treffe ich ihn. Mitten auf die Brust. Ein Laut wie ein geplatzter Wasserballon.
Lars kippt nach hinten, ruft: „Ich blute Farben!“
Und ich denke: „Das ist mein Junge.“
Stille. Eddy pfeift. Das Spiel ist vorbei.
Alle atmen. Niemand steht mehr richtig.
Ich stehe da. Verschwitzt. Verdreckt. Leicht zitternd. Und völlig klar in der Haltung.
Eddy kommt näher. „Äh … bist du … hast du das … so gelernt?“
Ich nicke. „Ich war mal bei der Truppe.“
Er: „Wann?“
Ich: „Als Telefone noch Wählscheiben hatten.“
Und Silke?
Sie steht neben mir.
Lehnt sich an und sagt: „Du hast es völlig übertrieben.“
Ich: „Ich weiß, aber ich fand’s geil.“
Und ich … ich richte mich auf, zucke kurz im Rücken, und sage nur einen Satz:
„So. Jetzt gedeckter Apfelkuchen.“
Im Auto ist es still. Nicht, weil keiner reden will. Sondern weil niemand die Kraft hat.
Silke atmet flach. So flach, dass selbst ihre Smartwatch fragt, ob sie noch lebt oder gerade meditiert.
Maren starrt aus dem Fenster, mit der Haltung einer jungen Frau, die gerade realisiert hat, dass ihr Vater noch immer in der Lage ist, einen taktischen Hinterhalt zu organisieren – und zwar mit der Präzision eines Mannes, der seine Bluetooth-Box nicht bedienen kann, aber trotzdem jeden Geländeabschnitt in Flanken einteilt.
Lars sitzt am Steuer. Leicht bläulich am Schlüsselbein. Er ist ruhig.
Aber sein Blick sagt: Papa hat sich heute verwandelt. In eine taktische Naturgewalt mit Restfalten.
Ich werde morgen nicht laufen können.
Wahrscheinlich auch nicht lachen.
Aber wenn Lars und Maren irgendwann einmal sagen:
„Weißt du noch, damals mit Papa beim Paintball?“ – dann hat sich alles gelohnt.
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