Ich bin keine Chaos-Queen – Ich verkörpere einen Lebensstil

Meine Frau sagt immer mit einem Lächeln,
sie hätte Schiss mich morgens zu wecken.
Am liebsten würde sie mich mit einem Besenstiel anstupsen. Weil ich so hingebungsvoll reagiere.
Weil ich dann so mutig werde. So heldenhaft. So furchtlos. So unerschrocken:

„Steh auf!“
„Gleich.“
„JETZT.“
„Boah ey.“
„Noch fünf Minuten!“
„Lass mich!“

Unbezwingbar wie ein gallischer Krieger im Bett. Doch wehe, der Wecker klingelt.
Dann: hilflose Qualen, als hätte mich jemand mitten im Winterschlaf mit einem Schneeschieber aus dem Nest geworfen.

Aber nicht nur das. Ich bin ein Mann. Ein wahres Rätsel der Evolution. Ein Ordnungsverweigerer, ein Meister der Vergessenskunst. Die Natur hat mich mit Reflexen ausgestattet, die Darwin in den Wahnsinn getrieben hätten.
Meine Frau sagt: „Du bist eine Chaos-Queen!“

Zum Beispiel die Tasse:

Warum sie direkt in die Spülmaschine räumen, wenn sie doch perfekt auf der Anrichte verweilen kann?
Ich bin ein freies Radikal. Vielleicht benutze ich sie später nochmal. Vielleicht will ich ihr Zeit geben, sich emotional von mir zu lösen, oder sie will einfach noch die Aussicht genießen. Vielleicht steht sie aber auch aus nostalgischen Gründen da und sie war früher ein Stein auf der Chinesischen Mauer und braucht einfach eine Pause.

Und dann die Socken:

Was soll diese übertriebene Pedanterie?
Warum sofort in den Wäschekorb?
Die Evolution hat es vorgesehen, dass Socken dort fallen, wo sie ihren Lebenswillen verlieren. Sie sind Nomaden, rastlose Wanderer, in den entlegensten Winkeln des Hauses – unter dem Sofa, auf dem Tisch, im Kühlschrank. Ein stilles Zeugnis vergangener Tage.

Die elektrische Zahnbürste:

Ich putze meine Zähne nicht einfach.
Nein.
Ich veranstalte ein Zahnputz-AC/DC-Konzert.
Die elektrische Zahnbürste geht erst aus, nachdem sie meinen Mund verlassen hat. Der Spiegel sieht aus wie ein Tatort. CSI: Bad.
Zahnpasta-Spritzer überall.
Ich nenne es „Expressionistische Morgentoilette.“
Meine Frau nennt es: „Willst du mich verarschen?!“

Die leere Klopapierrolle:

Der letzte Fetzen hängt traurig an der Rolle.
Ich weiß es.
Ich sehe es.
Und doch … ich greife zu. In der Hoffnung auf ein Wunder. In der Hoffnung, dass irgendwo im Universum ein gottgleiches Wesen existiert, das sich heimlich um die Klopapierrolle kümmert.
Tut es aber nicht.

Fazit:

Männer sind keine Menschen.
Männer sind Naturgewalten.
Wir können nichts dafür.
Wir sind einfach so.
Ein Symphonieorchester aus Chaos, Vergesslichkeit und guter Absichten.

Meine Frau könnte mich erziehen –
oder einfach die Tasse selbst wegräumen.

Danke, ich finde alleine raus.

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