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Neulich im Büro.Ich sitze da, Kaffee in der einen Hand, das Brot in der anderen.Der Blick leer. Gesicht leer. Kopf leer. Alles leer. Zwei Kolleginnen unterhalten sich. Ich höre nicht wirklich hin. Belangloses Geplauder, denke ich. Bis zu dem Moment, als Kollegin 1 diese Sätze sagt: „Das Schlimmste ist, wenn ich mich beim Putzen einfach
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Über Männer ab 50, Gelassenheit und die zweite Hälfte Wir sitzen am Küchentisch. Samstagmorgen. Kaffee steht da, Brötchen auch, niemand hat es eilig. Silke rührt in ihrer Tasse, sieht mich an und sagt: „Du lachst in letzter Zeit öfter.“ Ist in Ordnung, denke ich, kann man ja mal drüber reden.„Wie meinst du das?“, frage ich.
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Eine Katze beobachtet ihr Zuhause Ich heiße Lola.Das ist kein Name, den ich mir ausgesucht habe. Katzen wählen andere Dinge: Plätze, Zeiten, Menschen. Namen sind etwas, das Menschen brauchen, um Ordnung in Gefühle zu bringen. Micha sagt meinen Namen so, dass er hängen bleibt. Das reicht. Wenn seine Stimme weicher wird, weiß ich, dass ich
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Ein ganz normaler Ausflug Ich wache auf, weil irgendwas nicht stimmt. Nicht so, dass man sofort an Rettungskräfte denkt. Eher so, dass das innere Betriebssystem kurz ruckelt. Ein Geräusch macht, das es eigentlich nicht machen sollte. So ein leises knarz, bei dem man weiß: Das hier ist kein Traum, aber auch noch kein Problem. Es
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Warum Weihnachten leiser begann, als wir es erzählen Der Baum steht im Wohnzimmer. Seit gestern. Ungeschmückt. Er muss sich erst mal legen. Das hat Silke gesagt. Und wenn Silke sagt, ein Baum müsse sich legen, dann legt er sich. Ob er will oder nicht. Das ist so eine Art familiäres Naturgesetz. Er steht da, groß,
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Es ist Wochenende, der zweite Advent ist schon Geschichte, und wisst ihr, was wir nicht haben? Einen Weihnachtsbaum. Das ist der Punkt im Jahr, an dem man sich ernsthaft fragt, ob Weihnachten diesmal einfach beschlossen hat: „Ach komm, ohne den Schneider und die Lentzen, das wird entspannter.“ Da sitzen wir also, mitten in der besinnlichen Zeit, nur
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Ein persönlicher Blick auf den 3. Oktober 3. Oktober. Feiertag. Ich kann ausschlafen. Neben mir bewegt sich Silke. Das Geräusch kenne ich. Gleich kommt etwas, was kein normaler Mensch vor acht Uhr macht. Sie fängt an zu quatschen.„Micha?“, flüstert sie.Ich tue so, als hätte ich es nicht gehört. Ein Klassiker. „MICHA?“Ich brumme nur: „Was willst
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Bonn, Samstagnachmittag.Silke sitzt neben mir im Auto und liest Google Maps vor, als hätte sie gerade eine Nebenrolle als Navigationsfee bekommen. Nur dass diese Fee nicht zaubert, sondern schnauft: „In 300 Metern links. Nein, warte, das waren 30 Meter. Mist. Jetzt sind wir falsch.“ Ich biege also ab, irgendwo zwischen einer Hofeinfahrt und dem Niemandsland