Es begann so harmlos.
Ein Baguette von gestern.
Hart wie das Leben, aber ich dachte:
„Komm, wir geben dir noch eine Chance.“
Ich war großzügig.
Gab ihm Wärme, Liebe, Geborgenheit.
170 Grad ohne vorheizen.
5 Minuten.
10 Minuten.
Dann musste ich pinkeln.
Dann kam der Geruch.
Erst Hoffnung.
Dann Frankreich.
Dann: Notre-Dame brennt.
Ich reiße die Ofentür auf.
SCHWARZ. ALLES SCHWARZ.
Mein Baguette – kein Baguette mehr.
Ein Fossil. Ein Mahnmal.
Ein Stück französische Geschichte, aber eher Mittelalter, Scheiterhaufen.
Ich klopfe drauf – „Klonk.“
Ich werfe es auf den Tisch – Tisch kaputt.
Ich versuche zu beißen – mein Zahnarzt lacht und bucht die Malediven.
Der Rauchmelder schreit,
die Nachbarn gucken.
„Alles gut?“ rufen sie.
„Ja“, sage ich und versuche, den Rauch mit einer Zeitung wegzuwedeln.
Aber in Wahrheit?
Ich habe Frankreich verraten.
Ich stehe da.
Starre auf das verkohlte Etwas.
Irgendwo in Paris weint ein Baguettebäcker.
Irgendwo in mir stirbt ein Traum.
Ich blicke nach oben.
Eine kleine, warme Brise streicht durchs Fenster.
War das ein Abschied?
Ich wollte ein zweites Leben schenken.
Ich habe ein Artefakt erschaffen.
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